Verfügbarkeit und Nutzung von audiovisuellen Quellen in der Schweiz: Eine Bilanz

Über das Potential von audiovisuellen Quellen für die historische Forschung wird seit vielen Jahren geschrieben. Bereits am Schweizer Historikertag 1994 hatten verschiedene Redner ihre Forschungskolleginnen und -kollegen dazu aufgerufen, AV-Quellen nicht nur zur Illustration von Texten, sondern als eigenständige Quellen zu nutzen. Ebenfalls ab Mitte der 1990er Jahre stellte der Bund via Memoriav, dem Verein zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturguts, Geld zur Verfügung, um Fotos, Tondokumente, Filme und Videos zu erhalten und zugänglich zu machen. Konkrete Beispiele zeigen denn auch, dass Archive in den vergangenen 20 Jahren grosse Anstrengungen zur Sicherung ihrer audiovisuellen Unterlagen unternahmen. Diese Feststellung ist umso bemerkenswerter, als die Archivierung und Bereitstellung von AV-Quellen die Gedächtnisinstitutionen vor besondere Herausforderung stellt, weil dafür Spezialwissen, teure Verfahren und – im Fall von Digitalisierungen – viel Speicherplatz benötigt werden. Mit der verbesserten Verfügbarkeit von AV-Quellen sollte einer der Gründe für ihre seltene Nutzung beseitigt werden. Ein Blick auf die Liste historischer Qualifikationsarbeiten zeigt aber, dass die vor bald einem Vierteljahrhundert geäusserten Erwartungen nicht erfüllt wurden. Noch immer sind Forschungen mit AV-Quellen selten und auch in der akademischen Lehre hat die Beschäftigung mit AV-Quellen keine Priorität. Dabei würden sie sich gerade auch für Fragestellungen, die für die Geschichtstage 2019 zentral sind – z.B. zur Repräsentation von Reichtum – besonders gut eignen.

Das Referat zieht anhand von konkreten Beispielen aus der Archivwelt und aus dem akademischen Betrieb Bilanz und sucht nach Gründen für das Ungleichgewicht.

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