Natur und Menschenbild: Magnus Hundt

Für den mittelalterlichen Menschen gilt im Allgemeinen der Imperativ, sich die Erde, Fische, Vögel und Landlebewesen untertan zu machen (Gen. 1,28). Dieses Bild schliesst mithin auch die Wissenschaft ein, in der sich der Magister in gewisser Weise über die Natur erhob und so das Erkenntnisobjekt vom erkennenden Subjekt trennte.

Wenn man verstehen möchte, vor welchem Hintergrund der Erkenntnisdualismus Mensch-Natur am Ende des Mittelalters und am Anfang der Neuzeit seinen Nährboden fand, muss man also an einer Rekonstruktion des Menschenbildes arbeiten. Genau das machen die Schriften des Leipziger Magisters Magnus Hundt (1449-1519) für die Ideenhistorikerin zu so interessanten Quellen. Zwar findet sich in Hundt ein klassischer Vertreter, der den Dualismus noch einmal in eigensinniger Weise verfeinert und verstärkt. Seine Logik, Wissenschafts- und Erkenntnistheorie wird allerdings mit seinem Menschenbild im «Anthropologium de hominis dignitate» in direkten Zusammenhang gebracht. Dabei handelt es sich um ein Werk, das – von der Medizin inspiriert – die Körperlichkeit und Rationalität des Menschen zusammenzuführen versucht und dabei zugleich ein ganz neues Textgenre, das «Anthropologium», entwirft. Der Vortrag wird erläutern, wie der erkenntnistheoretische Dualismus Mensch-Natur vor dem Hintergrund eines bestimmten Menschenbildes zu erklären ist und zeigen, ob sich die bei Hundt einzigartige Kompilation von medizinischem und philosophischem Wissen, die insbesondere auch die Natürlichkeit des Menschen in den Blick nimmt, auch auf diesen Dualismus auswirkt.

Wir finden also bei Hundt Erkenntnisse über das Verhältnis von Menschen und Natur in einer Zeit, in der sich die Menschenbilder im Mittelalter in zuvor nie gekanntem Ausmasse zu pluralisieren beginnen. Dieser Umstand dürfte auch für eine Methodologie der Ideengeschichte nicht uninteressant sein.

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