Trans-ozeanische diplomatische Geschenke und Wissenszirkulation um 1600

Aushandlungsprozesse zwischen geographisch weit entfernter Herrschaftsbereiche waren in der frühen Neuzeit untrennbar mit Gabentausch verbunden. Doch wie funktionierte die Wahl von Geschenken angesichts des fragmentierten Wissens darüber, was potentielle Empfänger schätzten und der zahlreichen Herausforderungen beim Transport von Objekten über die Weltmeere?

Japans Außenbeziehungen an der Wende zum 17. Jh. bieten sich an, um Schenkpraktiken im Zusammenhang mit dem Beschreibungsmodell der Zirkulation kritisch zu prüfen. Anhand ausgewählter Beispiele ‚wertvoller‘ Geschenke geht dieses Paper dem Zusammenhang von Wissenszirkulation und Wertgenerierung nach.

Das Entsenden eines Elefanten aus Manila im Jahr 1597 zum Erhalt der Freundschaft mit dem japanischen Herrscher, weist viele Parallelen mit den Gepflogenheiten des Überbringens von Gaben an überlegene Herrscher innerhalb der sinozentrischen Weltordnung („Tributsystem“) auf. Es fällt jedoch auf, dass das Tier seinem Empfänger gleichzeitig materiellen Schaden und symbolischen Gewinn bereitete, während es sich beim Sender genau umgekehrt verhielt.

Das zweite Beispiel widmet sich einer Uhr aus Madrid, die 1611 Tokugawa Ieyasu überreicht wurde. Aufgrund der unterschiedlichen Zeitmessungspraktiken konnte Ieyasu der Feinmechanik und kunstvollen Vollendung, die dem Gegenstand in Europa beigemessen wurden, wenig abgewinnen. In diesem Fall wirkte sich ‚Unwissen‘ allerdings keineswegs negativ auf die Werttransformation der Uhr aus: Ieyasu platzierte sie gezielt als exotisches Objekt zur Veranschaulichung der Reichweite seines Einflussbereiches in jenem Teil seiner Residenz, in der er lokale Fürsten zu Audienzen empfing.

Beide Beispiele zeigen die Grenzen des Zirkulationsmodelles, das nur erlaubt, bereits bestehende Annahmen zu untermauern, nicht aber, Formen der Diffusion oder der Transformation, die sich am Rande oder ausserhalb etablierter Praktiken auftun, adäquat zu fassen.

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