Konsum als Element sozialer Distinktion ländlicher Eliten im späten 18. Jahrhundert

Reichtum ist relativ. Im Referenzraum eines Dorfes oder Marktes waren die „Reichen“ zunächst die lokalen Eliten, vielfach Gastwirte und/oder Handelsleute, die sich durch bestimmte Elemente in ihrer sozialen Praxis abhoben. Einträgliche Pluriaktivität, die Position als Kreditgeber sowie als lokale oder regionale Funktionsträger konnten dazu zählen. Nicht zuletzt pflegten sie weiträumige Kontaktnetze, die sich in Heiratsverbindungen ebenso niederschlugen wie sie sich in ökonomisch nutzbaren Gelegenheiten materialisierten. Ziel des Vortrags ist, zum einen die Kategorie „Reichtum“ in diesem spezifischen sozialen Milieu auf Grundlage von Inventaren und Verträgen – vor allem zu Besitzübergaben, Vererbung und Versorgungsansprüchen von Witwen – aus dem südlichen Tirol des späten 18. Jahrhunderts zu reflektieren. Zum anderen soll es um die Frage gehen, welche Einblicke in Konsumgewohnheiten und -veränderungen dieses Material eröffnet. Damit verbunden ist zugleich der Aspekt, auf welche Weise Distinktion hergestellt, gelebt und sichtbar gemacht wurde. Die Befunde sollen mit Perspektiven der materiellen Kultur- und der Konsumforschung in Beziehung gesetzt werden.

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