Bilder für Arm und Reich? Römische Grabfunde als methodischer Testfall

In der archäologischen Hinterlassenschaft wird auf Reichtum üblicherweise dort geschlossen, wo er durch materiell wertvolle Objekte, zum Beispiel im Grab, zur Schau gestellt ist. In einem ersten Teil des Vortrags veranschaulichen zwei spektakuläre Gräber aus der römischen Antike unterschiedliche Abstufungen aus der weitgefächerten Palette zwischen arm und reich in materieller Hinsicht: Die Bestattung einer reichen Frau aus einer Nekropole in Naintré und jene eines armen Taglöhners bei Rom. Der materielle Wert der Objekte im Grab bzw. ihre Abwesenheit erschliesst dabei die soziale Stellung der Bestatteten. Aber nicht alle beigegebenen Objekte sind in dieser Hinsicht aussagekräftig. So gibt es auch Alltagsdinge, oftmals Keramik, die sich nicht oder nur schlecht kategorisieren lassen.

In einem zweiten Teil des Vortrags wird daher mit den antiken Tonlampen eine Objektgattung vorgestellt, die von jedermann benutzt und mit ins Grab genommen wurde. Als Besonderheit tragen römische Tonlampen oftmals Bilder – und die Diskussion wird damit erweitert um die Frage der Angemessenheit der Bilder für unterschiedliche soziale Gruppen. Es wird zu zeigen sein, dass viele der Bilder mehrere Lesarten zulassen, die sie für arme und reiche Benutzer gleichermassen passend erscheinen lassen. Ein rein objektbasierter Zugang ermöglicht hier keine Antwort auf die Frage nach reich und arm, vielmehr bedarf es einer gesamtheitlichen Herangehensweise und der Beachtung des Kontextes, um zu pointierten Aussagen zu gelangen.

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