Versorgungswald, Renditewald, Schutzwald –Churer Forstökonomie seit dem 18. Jahrhundert.

Die Forstökonomie der Alpenstadt Chur erfuhr in den letzten 250 Jahren mehrere grundlegende Transformationen. Anhand von Forstgesetzen (1791, 1886, 1999), Waldplänen (1788, 1907, 2003) und Finanzstatistiken lassen sich insgesamt drei aufeinanderfolgende forstökonomische Systeme rekonstruieren. Im 18. Jahrhundert dienten die Churer Stadtwälder als Teil der grossen Allmend noch hauptsächlich der Selbstversorgung; über das – den berechtigten Bürgern exklusiv zukommende – Losholz hinaus praktizierte man Waldweide und nutzte Gras, Harz, Moos, Streue und Rinde. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gingen die Nutzungsrechte der Stadtwälder an die Einwohnergemeinde über, die Eigentumsrechte blieben aber bei der Bürgergemeinde. Der mit dem Eisenbahnanschluss einsetzende Wandel von der «Agrargesellschaft» zur «Industriegesellschaft» entlastete die Stadtwälder von ihrer Versorgungsfunktion und eröffnete gleichzeitig zusätzliche Absatzmöglichkeiten für Brenn- und Bauholz. Die Churer Forstökonomie wurde nun auf den maximal möglichen nachhaltigen Geldertrag (Rendite) ausgerichtet. Mit dem Übergang zur «Konsumgesellschaft» seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts traten die Erholungs- und Ökologiewerte der Stadtwälder in den Vordergrund. Die Erträge aus der Holzwirtschaft begannen zu stagnieren oder relativ zu sinken, da die zu erzielenden Holzpreise mit den steigenden Gewinnungskosten nicht Schritt halten konnten. Zum wichtigsten Einnahmeposten der Churer Forstökonomie wurden die Schutzwald-Unterstützungszahlungen.

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