Zur Schau stellen - zur Diskussion stellen. Geschichte, Praxis und Rezeption des Museums im Kontext von Narrativen über Reichtum und Macht

In der Ausstellungs- und Sammlungstätigkeit kulturhistorischer Museen waren bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts «reich» geschaffene Objekte von zentraler Bedeutung. Sie standen für einen Reichtum an kultureller Relevanz und nationaler Grösse und für bürgerlichen Erfolg. Politische und ökonomische Macht wurde in einer Fortschreibung adliger Praxis in der Ikonographie von Gemälden sowie im Mäzenatentum inszeniert und legitimiert.

Aus diesen Ansprüchen, Praktiken und Narrativen hat sich ein wirkungsmächtiges «Dispositiv Museum» entwickelt. Kulturhistorische Museen bemühen sich heute um eine weniger normative Haltung und würdigen in ihrer Ausstellungs- und Sammlungstätigkeit die Pluralisierung der Gesellschaft und der Werte. Dennoch wirkt, so die Argumentation des Referats, das skizzierte Dispositiv in Kulturpolitik, Museumspraxis und Besucherwahrnehmung unterschwellig weiter.

Nach einer kurzen Darstellung und Diskussion der Geschichte und Wirkung des «Dispositivs Museum» umreisst das Referat alternative Ansätze, die Reichtum und Macht nicht affirmativ zur Schau, sondern zur Diskussion stellen. Dazu gehört auch der Anspruch, inhaltliche, konzeptionelle und szenographische Dichotomien von Reich und Arm, Macht und Ohnmacht aufzubrechen und das Medium Ausstellung zu nutzen, um Prozesse sozialen Auf- und Abstiegs sowie wechselnde Vorstellungen von Reichtum und Macht zu erzählen bzw. zu visualisieren.

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