Koloniales Geld in Tansania und Ratenkäufe in Mitteleuropa

Koloniales Geld zwischen Gewalt und Fragilität: Rhythmen der deutschen Rupie in Ostafrika

Der deutsche Kolonialismus in Tansania führte eine spezielle Währung ein: Die deutsche Rupie war eine Silbermünze mit Kaiser Wilhelms Bildnis, die sich eng ans indisch-britische Währungssystem anlehnte, das in Ostafrika und Zanzibar verbreitet war. Die deutsche Rupie entsprang einem imperialistischen Zusammenspiel staatlicher Macht und privater Souveränität, indem eine Firma zunächst das Geld in Umlauf setzte und die Seignorage kassierte. Während das Kolonialgeld in Tansania Vorherrschaft beanspruchte – und mittels Steuerneintreibung gewalttätig durchsetzte – kannten ostafrikanische Gesellschaften eine Vielfalt an Medien, Standards und Speicher im Geldwesen. Der monetäre Kolonialismus brachte eine buchstäblich schleppende Zeit des metallischen cash, eine volantil-instantane Zeit der Wechselkurse an der inter-imperialen Schnittfläche und, von seiten der Kolonisierten, eine millenarische Zeit im grossen antikolonialen Aufstand, dem Maji-Maji-Krieg von 1905-07, in dem Münzen eine Rolle spielten. Statt Homogenisierung – womit Georg Simmel in Berlin das Geld als Medium der Moderne identifizierte – bestand globale Modernität in Tansania aus einer Vielzahl von Übersetzungsleistungen und Rhythmen.

Die «Ehe auf Abzahlung». Aspekte einer Geschichte des Wartens um 1900

Der Ratenkauf veränderte die Verfügbarkeit der Dinge dramatisch. Breite Bevölkerungskreise und vor allem soziale Unterschichten kauften seit Mitte des 19. Jahrhunderts immer häufiger und mehr der arbeitsteilig und industriell hergestellten Dinge auf Pump. Damit geriet die Ordnung zwischen Menschen, zwischen Dingen und zwischen Dingen und Menschen durcheinander. Exemplarisch zeigt sich dies beim Kauf von Einrichtungsgegenständen oder ganzer Aussteuern zwecks Haushaltsgründung und Heirat. Mit der «Ehe auf Abzahlung», so der zeitgenössische Ausdruck, verbündeten und verbanden sich Menschen und Dinge neu: Ehen waren früher möglich und Besitz auch für kapitalarme Leute Realität. Gesellschaftlich rief diese neue Konstellation nicht nur malthusianische Ängste hervor, sondern weckte auch bürgerliche Familialisierungsphantasien. Der Vortrag thematisierte diese Aspekte als Beispiel für eine Geschichte des Wartens, in der Mensch-Ding-Relationen mittels der Ressourcen Kredit und Zeit neu konfiguriert wurden.

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