Stadt, Pfarrei und Frömmigkeit in der Vormoderne - 500 Jahre St. Dionysius zu Rheine

Keine zweite Institution prägte in Mittelalter und Früher Neuzeit städtische Identität und Alltagsleben so sehr wie die Pfarrei. Umso verwunderlicher ist es, dass dieses Verhältnis bislang weder von Museen noch von der (religions- und kunst-)historischen Forschung entsprechend gewürdigt wurde. Die Stadt war oftmals schon baulich ebenso durch ihre Sakraltopographie geprägt wie durch das Austarieren zwischen städtischen Bauten, Zeichen und Kulten auf der einen und Kirchengebäuden, religiösen Zeichen und Riten auf der anderen Seite. Am Marktplatz etwa trafen sich Bürger kaum zufällig zwischen Rathaus und Stadtkirche.

Am Beispiel der Stadt Rheine, bei der das 500jährige Jubiläum der Stadtkirche St. Dionysius Anlass einer wissenschaftlichen Aufarbeitung ist, sollen sakrale und ökonomische Kongruenzen und Inferenzen herausgearbeitet werden. Dabei steht das Verhältnis von städtischer Identität und Identitätsbildung auf der einen und religiöser Praxis und kirchlicher Institution auf der anderen Seite im Focus des Interesses. Wechselwirkungen und Aushandlungsprozesse zwischen Stadtherrschaft und Kirchenregiment, Kommune und Pfarrei, Stadt und Frömmigkeit sind dabei die zentralen Themen. Mit Schwerpunkt auf der Bedeutung von Religion und Frömmigkeit für das Alltagsleben einer vormodernen Stadt soll gezeigt werden, dass Stadt und Pfarrei, kommunale Politik und Frömmigkeit keineswegs in einem dichotomen Verhältnis standen. Vielmehr fand die städtische Gemeinschaft in der Religion zu Identität und Einheit zusammen.

Intervenant-e