Versteckte Arbeitsorte im Datenkapitalismus

Das Paper diskutiert die These, inwiefern biometrische Gesichtserkennung, praktiziert in Flüchtlingscamps des UNHCR eine (neue) Form immaterieller Arbeit darstellen. Die Kritik neuer Regierungsformen und Kapitalregime, die transnational agieren, protokolllogische Souveränität über Daten und ihre Transaktionen besitzen, digitale und territoriale Grenzverläufe, Architekturen und logistische Relaispunkte nutzen, erfordert eine Methodik, die diesem agilen Modus gerecht wird. Dieses Paper möchte sich daher im Zwischenraum einer politischen Ökonomie des Datenkapitalismus und medientheoretischer Forschung ansiedeln, um dies zu diskutieren. Während sich die Grenze und damit die Überlappung von Leben und Arbeit seit dem Fordismus stetig ausgedehnt hat, bedingen sich, entgegen transhumanen Diskursen der Loslösung von Geist und corpo/reality und entgegen der Vorherrschaft eines dekontextualisierten Informationsbegriffes (Shannon) Technologie und Körper weiterhin gegenseitig.

In der Analyse der kapitalistischen Produktionsweisen in ihrer gegenwärtigen Form knüpfe ich an postoperaische Konzepte wie Immaterial Labour von Maurizio Lazzarato an, um so auf unterschiedliche Art und Weise die Kritik der politischen Ökonomie mit dem Aspekt biopolitischer algorithmischer Herrschaftsformen zu verbinden. Die Funktionalität von Grenzen als Orte biopolitischer Bevölkerungsregulation und Mobilitätskontrolle verschärft sich durch die biometrische Überwachung und Kontrolle drastisch an den Grenzen der Flüchtlingslager. Die Geflüchteten sind, so gesehen, dividuelle Körper-Daten-Hybride: je nach Algorithmus erweitert, zergliedert und in data flows angeordnet, während sie zugleich Internierte sind. Die zu verrichtende Arbeit im Lager, exemplarisch das Scannen der Iris, möchte ich hier mit der Arbeit engführen, die beispielsweise durch das Ausfüllen von Social Media Profilen beschrieben werden kann. Beide Vorgänge beschreiben neue Formen von Arbeit als, die ich konkreter als Daten- und Identitätsarbeit konzeptionalisieren möchte.

Intervenant-e