Die Patrimonialisierung der kommunalen Ämter in der vormodernen Eidgenossenschaft

Der Blick auf den Kreis der Inhaber weltlicher Ämter sowie auf die Modi der Vergabe und Nutzung dieser Chargen in Spätmittelalter und Früher Neuzeit fördert europaweit Phänomene zu Tage, die eigentlich konträr zu etablierten Vorstellungen von wachsender Staatlichkeit liegen. Letztere verbinden wir mit Prozessen wie Bürokratisierung, Rationalisierung und einer allmählichen Entflechtung der Sphären Staat/Politik und Haushalt/Vermögen. Doch im Bereich der Ämter, deren Zahl sich mit dem Verwaltungsausbau vervielfacht hat, sind gegenläufige Trends zu beobachten, die als Oligarchisierung und – mit einem stärkeren Fokus auf Ökonomie und Recht – auch als Privatisierung, Refeudalisierung oder Patrimonialisierung bezeichnet werden können. So wurden Ämter, woran ein persönliches Nutzungsrecht gekoppelt war, auf legale Weise käuflich und darüber hinaus erblich. Die damit einhergehenden finanziellen Verflechtungen banden Amtsträger eng an das Staatswesen und umgekehrt. Schliesslich verengte sich bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert der Kreis derjenigen Geschlechter, die Zugang zu Ämtern hatten, stetig. Ausgehend von diesem Befund stellt sich die Frage, ob es auch in den eidgenössischen Kommunen so etwas wie die Noblesse de Robe Frankreichs gab? Und machten diese Ämter eigentlich reich?

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