Zwischen Kollektiv, Familie und Individuum – Reichtum im Kontext bäuerlicher Körperschaften im Kanton Uri (20. Jhd.)

Die Berglandwirtschaft erlebt seit Beginn der Industrialisierung einen Rückgang, weil die im Vergleich zu den tiefer gelegenen und flacheren Gebieten kürzere Vegetationszeit und die aufwändigeren Transportwege zu beträchtlichen Nachteilen im globalen agrarischen Markt geworden sind. Der Intensivierungsschub in der landwirtschaftlichen Produktion während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat diese Entwicklung noch verstärkt.

Inwiefern ist es trotzdem sinnvoll, in einem solchen Kontext nach Funktion und Bedeutung von Reichtum zu fragen? Zum Einen hat in der öffentlichen Wahrnehmung gleichzeitig zum Blick auf die Berggebiete als Problemzone auch ihre Aufwertung als Gegenwelt stattgefunden, was unter anderem eine breite Unterstützung für agrarpolitische Massnahmen zugunsten der Bergbetriebe möglich machte. Zum Anderen – und hier wird es wirklich spannend – haben die Bewohnerinnen und Bewohner dieser Regionen eine eigene Definition von Reichtum entwickelt, die die naturräumlichen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Strukturen ihrer unmittelbaren Umwelt miteinbezieht, unter anderem das verbreitete kollektive Eigentum. Am Beispiel der beiden Korporationen Uri und Ursern geht der Vortrag der Frage nach, wie diese (bäuerlichen) Gesellschaften mit den Phänomenen Wohlstand und Armut in Zeiten sinkender Lebensmittelpreise, steigender Direktzahlungen und anhaltend ausgedehntem Gemeingut umgegangen sind und umgehen.

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