„Kaffee, an dem Blut klebt!“ Konsumboykotte gegen die lateinamerikanischen Diktaturen, 1970er- bis 1980er-Jahre

Seit den 1970er-Jahren waren in vielen lateinamerikanischen Staaten Militärdiktaturen an der Macht. In mehreren europäischen Ländern entstanden Solidaritätsbewegungen, die Demonstrationen organisierten, Hilfe für politische Emigranten anboten und die Rolle multinationaler Konzerne kritisierten. Besondere internationale Aufmerksamkeit erregte der Sturz des Präsidenten Salvador Allende in Chile 1973. US-amerikanische Aktivisten mobilisierten unter dem Motto „Boycott Chile“ Konsumentinnen und Konsumenten gegen die Militärdiktatur. Dagegen forderten europäische Bewegungen vor allem die Aufnahme von Flüchtlingen und den Stopp der Militärhilfe. Weder im Falle Argentiniens noch Chiles existierte auf dem europäischen Markt ein emblematisches Exportprodukt, das einen Ausgangspunkt für Konsumboykotte hätte bilden können. Die Proteste der 1970er Jahre bildeten jedoch einen wichtigen Vorläufer für die Boykotte der 1980er Jahre.

Besonders die Diktaturen in Guatemala und El Salvador gerieten wegen der heftigen Repression in die Kritik europäischer Solidaritätsgruppen. Da Kaffee für beide Länder ein wichtiges Exportprodukt war, organisierten Lateinamerika-Solidaritätsgruppen in den 1980er-Jahren Proteste gegen Kaffee-Einfuhren aus El Salvador und Guatemala. Dieselben Akteure versuchten parallel die nicaraguanische Revolution durch die Vermarkung des „Nica-Kaffees“ zu unterstützen. Bereits seit den frühen 1970er-Jahren hatten Aktivisten des fairen Handels immer wieder auf die Ausbeutung von Plantagenarbeitern hingewiesen. Schnell bauten sie eigene Handelsverbindungen in die kaffeeproduzierenden Länder auf, um Kooperativen von Kleinbauern zu unterstützen.

In dem Vortrag analysiere ich zunächst die Wahrnehmung der lateinamerikanischen Diktaturen in verschiedenen europäischen Staaten. Zweitens zeige ich, warum Kaffee ein besonders geeignetes Produkt für eine Boykottkampagne war. Drittens betrachte ich Strategien, Motive sowie Kommunikationskanäle der Boykottkampagnen.

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