«Schlupflöcher so gross wie Schweizer Käse»: Zur Regulierung der globalen Müllökonomie seit den 1970er Jahren

Müll ist eine der wandelbarsten Stoffkategorien, oft sowohl Rest wie auch Ressource. Auf gesellschaftlicher Ebene gilt dies, laut der Ethnologin Mary Douglas oder der Soziologin Gay Hawkins, je nach Perspektive, individueller Bewertung oder kultureller Prägung. Im grösseren, nationalen oder gar internationalen Rahmen betrachtet, sind es gesetzliche Vorgaben oder das Fehlen ebensolcher, welche die Unterscheidung zwischen Rest und Ressource in ihrer Abstufung von Müll und Sondermüll rahmen und dem weltweiten Fluss dieser Stoffe seine Richtung vorgeben.

Der globale Handel mit Abfallstoffen basiert auf eben dieser Wandelbarkeit des Stoffes ‹Müll›. Seit den 1970er Jahren ermöglicht eine Collage nationaler Müllregime basierend auf unterschiedlichen Umwelt-, Arbeits- oder Gesundheitsschutzmassnahmen die legale Verschiebung toxischer Abfallstoffe als Ressource, oft aus dem Globalen Norden in den Globalen Süden. Internationale Abkommen hingegen hinterliessen «Schlupflöcher so gross wie Schweizer Käse». Die territoriale Begrenzung der Definition eines ‹entgrenzten› Stoffes, seiner Wirkung und Behandlung sind dabei der Knackpunkt einer fehlgeleiteten Umweltgovernance seit den 1970er Jahren.

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