Pecunia (non) olet. Latrinenarchäologie - Die schmutzige Seite des Reichtums

Reichtum ist ein Phänomen, das sich von verschiedenen Seiten her beleuchten lässt; die Archäologie befasst sich primär mit einem Teilaspekt, nämlich dem Niederschlag in der materiellen Kultur, der zum Teil deutlich von den aus den Schrift- und Bildquellen abgeleiteten Geschichtsbildern divergieren kann, weswegen ein wechselseitiger Vergleich anzustreben ist. Jedoch ist die physische Manifestation von Reichtum sehr unterschiedlich und in bestimmten Aspekten klarer als in anderen. So sind Museen und Sammlungen voll mit prunkvollen Sachgütern, die als offensichtlich wertvoll erhalten. Doch dienten sie tatsächlich alle dem täglichen Gebrauch? Wie sieht das Leben von „reich“ und „arm“ hinter den Kulissen aus, worin unterscheiden sie sich, und wo überwiegen überraschenderweise die Ähnlichkeiten? Zu unterscheiden sind dabei Gegenstände, die als Besitz einer Einzelperson anzusprechen sind – somit

„persönlicher Reichtum“ – und das Hausinventar – gewissermassen der

„Reichtum des Haushaltes“. Bei letzterem stellt sich noch die Frage, wer denn diese Gegenstände verwendete, und ob sich dabei ein Muster abzeichnet.

Der Beitrag widmet sich der Frage nach der alltäglichen Seite von Reichtum im adeligen und bürgerlichen Kontext aus der Sicht der

„Goldgräber“, wie das für die Latrinenleerung zuständige Personal von Zeitgenossen ironisch bezeichnet wurde. Verglichen wird das Fundmaterial aus der Latrine von Schloss Thaur, einem Jagdschloss von Kaiser Maximilian (15./16. Jh.) und dem Abfallschacht im nur vier Kilometer entfernten Gasthof zum Goldenen Engel in Hall in Tirol (13.-16. Jh.). Aus diesem in Kontext gestelltem Material wird im Vergleich mit anderen Befunden derselben Zeitstellung ein Vorschlag eines ständeübergreifenden Standardinventares des „Verschleissmaterials“ von Haushalten erstellt, vor denen sich materieller Reichtum erst im Kontrast manifestieren kann. Schliesslich wird versucht, auf diesen Erkenntnissen aufbauend einen Vergleich mit dem heutigem Reichtumsverständnis anzustellen.

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