Die "reichen" Toten ? Indikatoren von Reichtum im Frühmittelalter anhand von Grabfunden

Die Frühmittelalterarchäologie wird schon lange durch die Befundgattung der Gräber geprägt, auch wenn die Kirchen- und Siedlungsarchäologie für eine deutliche Erweiterung auf dem Forschungsgebiet dieser Epoche gesorgt haben. Da aus dem Frühmittelalter vergleichbar wenige schriftliche Zeugnisse auf uns gekommen sind, kommt der (Gräber-)Archäologie innerhalb der frühmittelalterlichen Geschichtsschreibung eine besondere Bedeutung zu. Die Gräberarchäologie ist daher seit langem bemüht, aus den wenigen materiellen Hinterlassenschaften belastbare Gesellschaftsmodelle zu rekonstruieren und kulturelle wie ethnische Zusammenhänge darzustellen, die in jüngerer Zeit mehrfach erweitert und hinterfragt wurden.

Gegenstand dieses Beitrags ist es, die jüngere Forschung in diesem Bereich auf den Aspekt „Reichtum“ hin zu befragen und anhand einiger exemplarischer frühmittelalterlicher Fundstellen und Fundgattungen der Gräberarchäologie Indikatoren aufzuzeigen, die – direkt oder indirekt – auf den Reichtum der Bestatteten schließen lassen. So zeigen beispielsweise die spätmerowingischen Grabhügel in Aesch allein durch den beim Grabbau betriebenen Aufwand den materiellen und wahrscheinlich auch sozialen Reichtum der hier Bestatteten. Auch die reichen Beigaben aus wertvollen Materialien im Gräberfeld von Bel-Air Lausanne lassen einen materiellen Reichtum der einstigen Besitzer erahnen. Aber sind Beigaben oder das Vorhandensein eines Grabbaus automatisch Indikatoren für Reichtum? Woran lässt sich Reichtum dann z.B. bei Beigabenarmut ablesen? Und worin besteht der ablesbare Reichtum genau? Durch den Beitrag soll nicht nur ein Blick auf die Rekonstruktion von Reichtum im Frühmittelalter geworfen werden, sondern auch auf die dazu benutzten Methoden der Archäologie.

Intervenant-e