Geld und Macht. Presse, Information und Meinungsbildung im 17. und 18. Jahrhundert

Die Presselandschaft der Frühneuzeit war geprägt durch spezifische Logiken, die sich von jenen des 19., 20. und 21. Jahrhunderts unterscheiden. Sie bestand im Wesentlichen aus punktuellen, ereignisbezogenen Publikationen (Flugblätter und Flugschriften) und seriellen, regelmässigen Publikationen (Zeitungen und Zeitschriften). Die Zeitungen im modernen Sinne – periodisch gedruckte, aktuelle Nachrichten von allgemeinem Interesse – erschienen in Europa seit 1605 und waren im deutschsprachigen Raum in der Regel kommerzielle Unternehmungen, die ihre ein bis fünf Nummern pro Woche über Abonnemente und Einzelverkäufe finanzierten, während Inserate oder gar Werbung von marginaler Bedeutung blieben. Politische Zeitschriften dagegen entstanden in Europa seit den 1660er-Jahren. Auch sie finanzierten ihre wöchentlichen oder monatlichen Ausgaben, die längere Artikel in anspruchsvollerer Sprache enthielten, durch Abonnemente und Einzelverkäufe. Sie ergänzten jedoch ihre Informationen mit Analysen und Reflexionen. Trotzdem waren diese von den Abonnementen getragenen Zeitschriften und Zeitungen nicht einfach ein Sprachrohr ihrer Leser. Der Beitrag wird zunächst den Funktionen nachgehen, welche die Flugblätter und Flugschriften sowie die Zeitungen und Zeitschriften unter den Bedingungen von geringer Alphabetisierung, vielfältiger Zensur und begrenzten frühneuzeitlichen Kommunikationsmöglichkeiten einnahmen. Dann soll die Frage aufgeworfen werden, welche Bedeutung dem Geld bei der Informationsbeschaffung und Meinungsbeeinflussung im 17. und 18. Jahrhundert zukam.

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