Vom Ring- zum Hochfrequenzhandel. Über das Verschwinden der Zürcher Börsianer

Für die Schweizer Börsen- und Bankenwelt markierte der 16. August 1996 ein neues Zeitalter. Der letzte Handelsring wurde am Tag zuvor geschlossen. Fortan wurden sämtliche Wertpapiergeschäfte elektronisch an der SWX Swiss Exchange getätigt. Diese Veränderung hatte sich spätestens seit den 1980er-Jahren abgezeichnet. Das Volumen der zu handelnden Wertpapiere stieg in den Jahren zuvor so stark, dass es für die Mitarbeitenden und die vorhandene Börseninfrastruktur kaum mehr möglich war, dieses zu stemmen. Die Vergrösserung der Ringkapazität, verbesserte Abläufe und verlängerte Handelszeiten brachten nur bedingt Linderung. Nur der Schritt hin zum elektronischen Handel half, eine reibungslose Abwicklung der Börsengeschäfte auch künftig zu gewährleisten. Für die Ringhändler bedeutete der Schritt hin zum elektronischen Handel eine radikale Änderung des Berufsalltages. Am Ring war eine starke physische Präsenz, gepaart mit einem schnellen Reaktionsvermögen, gefragt. Mit dem Übergang zum elektronischen Handel wurden die Börsianer vom Ring abgezogen. Untergebracht in den Grossraumbüros ihrer Arbeitgeberbanken, arbeiteten sie fortan vor Computerbildschirmen. Gehandelt wurde ohne grosse Worte via Eingabebefehle. Aus den Börsianern wurden «normalen» Bankangestellte – der Glamour alter Tage war verflogen. Für viele Ringhändler bedeutete dieser Strukturwandel eine grosse Veränderung im Leben.

Der Vortrag diskutiert das Verschwinden der Berufsgattung der Ringhändler an der Zürcher Börse. Der Strukturwandel wird einerseits aus der Sicht der betroffenen Akteure nachvollzogen und es werden die Auswirkungen auf das Berufsbild näher beleuchtet. Andererseits wird das Ende des Ringhandels in Zürich aus einer unternehmensgeschichtlichen Perspektive heraus betrachtet und es werden Vergleiche zu anderen nationalen und internationalen Börsen gezogen.

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