Unterfinanziert oder verschwenderisch? Die Debatte über den Reichtum und die Rolle des Staats in den westlichen Gesellschaften (1950-1980)

Die Erfahrung des Wirtschaftsbooms nach 1950 führte zu neuen Wahrnehmungen des Kapitalismus. Obwohl wiederkehrende Krisen und Armut immer noch eine Rolle spielten, stand die destabilisierende und ausbeuterische Kraft der kapitalistischen Wirtschaftsweise nicht länger im Vordergrund. Neu richtete sich Kritik verstärkt auf die Gleichschaltung der Menschen durch Massenkonsum oder die Zerstörung der Umwelt. Neoliberale Befürworter hingegen verteidigten den Kapitalismus neu als Ordnung zugunsten der kleinen Leute und individuellen Freiheit. In dieser Kontroverse wurde auch über die Rolle des Staats gestritten. Post-Keynesianische Intellektuelle wie John Kenneth Galbraith sahen den demokratischen Staat als Mittel, um die Dominanz grosser privater Unternehmen zu brechen. Um diese Rolle wahrnehmen zu können, musste der Staatshaushalt allerdings mit mehr Mitteln ausgestattet werden. Diese Sichtweise bekämpften neoliberale Intellektuelle, indem sie diese Logik auf den Kopf stellten. Allen voran Milton Friedman zeichnete ein Bild eines opulenten und selbstbereichernden Staatsapparats, dessen Macht es unbedingt einzuhegen galt.

Das Panel vereint drei Beiträge, die Aspekte der skizzierten Debatte über den armen/reichen Staat aus der Zeit zwischen 1950 und 1980 mit Fokus auf die USA und Grossbritannien beleuchten.

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