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Humboldts Naturen

Gegenstand des Panels sind Alexander von Humboldts (1769-1859) Wahrnehmungen der ‹Natur›. Nach seiner Amerikareise (1799-1804) wurde Humboldt zu einem zentralen Akteur der sich formierenden und ausdifferenzierenden Naturwissenschaften und genoss Mitte des 19. Jahrhunderts weltweit einen herausragenden Ruf als Forscher. Doch seine zahlreichen Beschreibungen ‹natürlicher› Phänomene sind nicht auf wissenschaftliche Methoden und szientifische Kontexte beschränkt. Humboldts Texte und Graphiken können als die eines Botanikers und Geologen, aber auch als die eines Literaten und Künstlers gelesen werden. In der neueren Forschung wird er als Vorreiter der Ökologie, aber auch kontrovers als letzter Universalist oder als Wegbereiter eines transdisziplinären Wissenschaftsbegriffs, als ein den Kontinent Südamerika ‹naturalisierender› Imperialist oder als früher Vertreter postkolonialer Positionen verstanden. In der erfolgreichen Biographie von Andrea Wulf (2015) gilt Humboldt gar als ‹Erfinder der Natur›.

Das Panel wird solche unterschiedlichen und mitunter widersprüchlichen Perspektiven Humboldts auf ‹Natur› rekonstruieren und diskutieren: 1.) Humboldts Konzeption von ‹Natur› zwischen Wissenschaft und Kunst, 2.) Konkrete Naturerfahrungen und -wahrnehmungen mit Indigenen während der Amerikareise, 3.) Charakteristische Selbstdeutungen und -naturalisierungen des späten Humboldt. Auf der neuen Textgrundlage der 2019 erstmals edierten Sämtlichen Schriften Humboldts (Berner Ausgabe) sollen die Vorträge auch interdisziplinäre Verbindungen knüpfen zwischen den Geschichtswissenschaften, Philosophie, Sozialanthropologie und den Philologien.

Vortrag 1: ‹Nicht ein todtes Aggregat ist die Natur›: Humboldts Naturwahrnehmung im Spannungsfeld von Wissenschaft, Romantik und Kunst (Dominik Erdmann, BBAW Berlin)

In seinem Bestseller Ansichten der Natur (1. Aufl. 1808) und in zahlreichen anderen Texten schlägt Humboldt eine Brücke zwischen wissenschaftlichen und ästhetischen Beschreibungsmethoden, zwischen Empirie und dem ‹Erhabenen›, Datenvisualisierung und romantischer Metaphorik.

Vortrag 2: Natur und indigene Menschen (Joachim Eibach, Bern, Historisches Institut)

In welchem Verhältnis stehen Humboldts sozialanthropologische Beschreibungen indigener Akteur*innen zu deren natürlicher Umwelt? Zu diskutieren sind Vorstellungen von ‹ursprünglicher Natur›, Theorien der Aufklärung vom ‹Naturzustand› und ‹edlen Wilden›, Indigene als Informanten sowie Humboldts Interesse für ‹Theorien der Eingeborenen› über die Natur.

Vortrag 3: ‹Mein antediluvianisches Alter›: Humboldts Selbstgeologisierung (Thomas Nehrlich, Bern, Institut für Germanistik)

Gegen Ende seines fast 90 Jahre langen Lebens interessierte sich Humboldt für die Natur des Alterns. Seine gerontologische Selbstbeobachtung steht in Verbindung mit seiner Forschung zu langlebigen Organismen, aber auch im Kontext einer erdgeschichtlichen ‹Tiefenzeit›. Humboldts Beschäftigung mit seinem ‹antediluvianischen› Alter ist zugleich Selbsthistorisierung und -geologisierung.

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