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Forstliche Nachhaltigkeit als Neuordnung des Raums. Homogenisierung und Exklusion im Wald der Ökonomischen Aufklärung (1750-1850)

Forstwirtschaftlich genutzte Wälder können einerseits als «Natur» angesehen werden, sind sie doch mit ihrer naturnahen Dauervegetation, ihrem tiefgreifenden Wurzelwerk und ihren in die Atmosphäre reichenden Blatt- und Zweiggerüsten von den natürlichen Umweltbedingungen abhängig. Andererseits werden sie wesentlich von ihrer Nutzungsgeschichte geprägt, so dass sie ebenso sehr der «Kultur» zuzuordnen sind.

In der Frühen Neuzeit wurden die meisten Wälder als Teil der Allmende kollektiv reguliert und auf die Versorgung der nutzungsberechtigten Haushalte ausgerichtet. Der multifunktionale Gemeindewald diente über die Holzversorgung hinaus als Weide sowie der Gewinnung von Laub- und Nadelstreue und zahlreicher weiterer Waldprodukte. Angesichts der in der «Agrargesellschaft» schon aus energetischen Gründen beschränkten Transportkapazitäten ergaben sich starke Nutzungspolaritäten zwischen siedlungsnahen und siedlungsfernen Gebieten. Zudem bildete die frühneuzeitliche Raumordnung auch im Wald die ständischen Vorrechte bestimmter sozialer Gruppen ab. Daraus resultierte ein heterogener Flickenteppich, in dem sich unterschiedliche Nutzungsformen räumlich überlagerten.

Die Ökonomische Aufklärung entfaltete sich europaweit zwischen 1750 und 1850. Ihr Herzstück ist die Überzeugung, dass sich aus den Ressourcen eines Territoriums mittels politisch-administrativer Reformen und gezieltem Einsatz von Wissenschaft und Technik eine erhebliche Ertragssteigerung erzielen liesse. Ein wesentliches Ziel der Reformbewegung war die Installierung der nachhaltigen Holzproduktion. Ausgeklügelte Planungsverfahren sollten sicherstellen, dass jährlich nicht mehr Holz genutzt wurde, als tatsächlich nachwuchs. Die «Forsteinrichtung» enthielt erstens die präzise Erhebung des aktuellen Waldzustands mit Hilfe von Karten, Tabellen und Berichten und zweitens die daraus abgeleitete Planung der künftigen Waldbehandlung in Raum und Zeit. Damit wurden die alten Ordnungsprinzipien der räumlichen Nähe und der ständischen Vorrechte abgelöst durch eine systematische Planung, die mittels ausgebautem Wegnetz auf räumlich homogenisierte Nutzungsintensitäten zielte. Zur Disposition stand dabei auch die Artenzusammensetzung, die man durch die Akklimatisierung von fremden Baumarten aus anderen Räumen zu optimieren suchte. Das forstliche Hauptziel bestand nicht mehr in der Naturalversorgung, sondern in der kontinuierlichen Erzielung des maximal möglichen finanziellen Ertrags. Dies bedingte eine Neuordnung des Raums, die mit Regulierung oder Exklusion der vielfältigen Waldnutzungen der ländlichen Gesellschaften einherging.

Ein interessanter Gegenwartsbezug ergibt sich durch die Tatsache, dass die durch die Ökonomische Aufklärung kritisierten heterogenen Waldformen, die aus den vielfältigen gemeinschaftlichen Nutzungen hervorgingen, aus heutiger Biodiversitätssicht positiver bewertet werden als die exklusiv auf die nachhaltige Holzproduktion ausgerichteten Wälder der professionellen Forstwirtschaft.

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