Fabrikgesellschaft. Kritik am Preis des Wohlstands im „Wirtschaftswunder“

Die Koppelung von Arbeit und Wohlstand ist relativ jung. Bis weit ins 20. Jahrhundert befreite Arbeit häufig nicht von Armut. In den „goldenen drei Jahrzehnten“ der Nachkriegszeit schien sich das meritokratische Prinzip jedoch zu verwirklichen: Vollbeschäftigung, soziale Sicherungssysteme und Sozialpartnerschaft brachten in den westlichen Industriestaaten steigende Reallöhne und Normalarbeitsverhältnisse mit sich. Seit den 1990er Jahren ist dieses fordistische Arrangement jedoch im Niedergang begriffen und es ist von einem „Ende der Arbeit“ die Rede.

Eine Schwierigkeit dieser Diagnose liegt darin, dass sie die Phase der „trente glorieuses“ retrospektiv meist überhöht. Die Kritik am neoliberalen Umbau der Arbeitsgesellschaft stützt sich dabei nicht selten auf das Konzept der „Normalarbeit“, das im Nachhinein zum Inbegriff von gelungenen Biografien, Charakterstärke und Sinn hochstilisiert wird. Dabei geht vergessen, dass diese soziale Organisationsform von Arbeit auch in Zeiten der Hochkonjunktur nur partiell – und längst nicht für eine Mehrheit – Wirklichkeit wurde. Der exklusive Charakter der „Normalarbeit“ und die totalisierenden Tendenzen der „Fabrikgesellschaft“ wurden bereits damals kritisiert. Diese kritischen Stimmen und Analysen – der gewerkschaftlichen Basis, militanter Betriebsgruppen, der Frauenbewegung, kritischer Intellektueller etc. – sind heute sowohl in der kollektiven Erinnerung als auch in der Historiographie weitgehend in Vergessenheit geraten.

An diesem Punkt setzt unser Panel an. Wir sind der Auffassung, dass es für die aktuellen Debatten produktiv ist, den gegenwärtig beklagten Niedergang der „Normalarbeit“ in einen Dialog zu bringen mit der Kritik, die schon in der Hochkonjunktur an ihr laut wurde. Unser Panel verfolgt ein doppeltes Ziel: An exemplarischen Fallbeispielen will es erstens Inhalte und Kontexte einer „linken“ Kritik an der „Fabrikgesellschaft“ rekonstruieren. Davon ausgehend stellt es zweitens die Frage, ob und inwiefern sich die damaligen Perspektiven auf Arbeit und Kapital produktiv in die Debatten der Gegenwart einbringen lassen.

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