Betongold. Neue Entwicklungen der Stadtgeschichte

Wohnimmobilien gehören zu den wichtigsten Vermögenswerten. Ihre Bedeutung geht weit über die ökonomische Dimension hinaus und umfasst die individuellen und gesellschaftlichen Bedürfnisse einer angemessenen Wohnsituati-on. Die Organisation des Wohnungsmarktes, die Art und Weise, in welcher der Bevölkerung Wohnraum zur Ver-fügung gestellt, der Zugang erleichtert oder erschwert wird, hat weitreichende gesellschaftliche Auswirkungen. In historischer Perspektive sind die sich wandelnden Wohnformen eng mit Orts- und Stadtentwicklungen verbunden.

Regional-, Stadt- und Ortsgeschichten haben Konjunktur. In der jüngsten Vergangenheit sind eine Reihe von Lokalgeschichten erschienen oder sind im Entstehen. Es ist festzustellen, dass die Initiative für diese Projekte vielfach von privater und kommunaler Seite ausgeht. Freischaffenden Historiker/-innen füllen eine Lücke, die sich seit den 1990er-Jahren mit dem nachlassenden Interesse der universitären Forschung an der Stadtgeschichte geöffnet hat. Die institutionelle Verankerung der Stadt- bzw. Urbanisierungsgeschichte ist in der Schweiz verhältnismässig schwach. Erst in jüngster Zeit zeigt sich auch in der Schweiz wieder eine vermehrte Beschäftigung der Geschichts-wissenschaften mit dem Themenbereich (vgl. u.a. den Tagungsband Wohnen und die Ökonomie des Raumes der Schweizerischen Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialgeschichte von 2014).

Das Panel hat zum Ziel, die verschiedenen Forscher/-innen der Stadtgeschichte zusammenzubringen und die jüngsten Entwicklungen der historischen Stadt- und Urbanisierungsforschung zu reflektieren. Einerseits fragen wir nach Stand der Disziplin Stadtgeschichte in der Schweiz. Anderseits werden neue und laufende stadt- und urbanisie-rungsgeschichtliche Forschungen zur Schweiz und in länderübergreifender Perspektive vorgestellt. In den Blick genommen sollen sowohl Forschungen zu transregionalen- bzw. -nationalen Entwicklungen als auch spezifische Stadt- und Ortsgeschichten.

Die möglichen Themen sind dabei so vielfältig wie die Stadtgeschichte(n) selbst. Wie haben sich die (Sub-)Urbanisierungsprozesse auf die Entwicklung der Städte, des ländlichen Raums und der Bodennutzung ausgewirkt? Wie haben Akteure der kommunalen und staatlichen Regierungen versucht, die bauliche Entwicklung zu regulieren und welche Rolle spielt die Raum- und Städteplanung? Welche Bedeutung kommt sozialen Bewegungen zu? Wie ist die Bau- und Immobilienwirtschaft ausgestaltet, welche Unterschiede zeigen sich bezüglich des Miet- und Wohneigentumsmarktes im räumlichen und zeitlichen Vergleich? Welche Räume sozialer Interkation bieten urbane Räume? Wie sind die einzelnen Städte und Regionen miteinander vernetzt? Wie verhält sich die räumliche und soziale Mobilität in den verschiedenen Epochen und welchen Veränderungen sind Wohnformen und Lebensweisen unterworfen?

Responsabilité