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Die Stadt als Biotop? Umweltgestaltung, ökologisches Wissen und urbane Natur im ausgehenden 20. Jahrhundert

Begrünte Hochhäuser, «Schwammstädte», Brachenparks: Entlang spezifischer Dimensionen des «Natürlichen» wird gegenwärtig in urbanisierte Siedlungsräume eingegriffen, um diese wahlweise in nachhaltigere, resilientere oder lebenswertere Lebensräume zu transformieren. Dass Planung und Gestaltung urbaner Räume auf «Natur» Bezug nehmen, ist kein neues Phänomen. Versuche, die moderne Grossstadt als Hort der Entfremdung «organischer» zu gestalten und sie mit dem Land zu «versöhnen», gab es seit dem 19. Jahrhundert zahlreiche.

Der moderne Städtebau nach dem Zweiten Weltkrieg folgte dem Paradigma der «aufgelockerten» Stadt mit Vorortssiedlungen im «Grünen», funktionaler Entmischung und Primat des Automobils. Ab den 1960er-Jahren wurden die negativen Auswirkungen dieses Ansatzes offenkundig. Die «Unwirtlichkeit» der Städte bewegte breite Teile der Öffentlichkeit, die «sterbende» Innenstädte und deren Verödung zu «sterilen Betonwüsten» anklagten. Die Forderung nach mehr «Natur» und «Natürlichkeit» der Städte wurde zum Heilsversprechen der Stadtkritik der 1970er-Jahre. Zugleich transformierten sich diese Begrifflichkeiten mit ökologischen Denkansätzen und der entstehenden Umweltbewegung grundlegend. Das Panel nimmt solche Verflechtungen zwischen ökologischen Konzepten, den stadtplanerischen Instanzen sowie dem stadt- und umweltpolitischen Aktivismus im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts in den Blick.

Folgenden Fragen soll dabei nachgegangen werden:

• Woher stammten die ökologischen Konzepte und Wissensbestände der Stadt- und Raumplanung? Welche Wissenschaften waren daran beteiligt?

• Wie wirkten sich ökologische Wissensbestände auf die Vorstellungen einer guten, «natürlichen» Stadt aus? Welche Aspekte wurden in stadt- und grünplanerische Ansätze übernommen?

• Welche Akteure, Institutionen und Praktiken waren an dem Übersetzungs- und Zirkulationsprozess von ökologischem und städtebaulichem Wissen beteiligt? Wie gestaltete sich das Verhältnis von zivilgesellschaftlichem Aktivismus, akademischer Wissensproduktion und öffentlicher Verwaltung?

• Wie und durch wen wurden einzelne Gebäude, Strassen, Grünräume, Quartiere und ganze Städte «ökologisch bearbeitet» – materiell-technologisch wie symbolisch-diskursiv? Auf welche Widerstände trafen diese Projekte?

• Welche Wechselwirkungen lassen sich zwischen ökologischen Ansätzen urbaner Entwicklung und (älteren) ökonomischen und soziopolitischen Planungskonzepten ausmachen? Wurden letztere verdrängt und/oder modifiziert?

• Welche neue «Stadtkultur» und welche Konzeptionen urbanen Raums und städtischer Gesellschaft – und damit auch «der Natur» – entstanden insbesondere in den Alternativkulturen jener Jahrzehnte?

Die skizzierte Thematik berührt unter anderem Aspekte von Natur-Wissen, der Regulierung von Mensch-Natur-Beziehungen sowie von einschlägigen Repräsentationsweisen; unser Panel ist somit anschlussfähig an mehrere der vorgeschlagenen Reflexionscluster.

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