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Diplomatie der Vertikale. Die schweizerische (Umwelt)Aussenpolitik und die Berge nach 1970

Als die Vereinten Nationen im Juni 1992 zur Konferenz über Umwelt und Entwicklung luden, entsandte die Schweiz nicht nur sieben diplomatische Unterhändler, sondern auch den Berner Geographieprofessor Bruno Messerli nach Rio de Janeiro. Messerli und einige Fachkollegen hatten sich zum ambitionierten Ziel gesetzt, in der UN-Umweltagenda auch ein Kapitel zum Schutz der Berge der Welt zu verankern. Dass dieses Unterfangen gelang und die Agenda 21 das Kapitel 13 «Managing Fragile Ecosystems: Sustainable Mountain Development» enthält, bewertet die Forschung je nach Perspektive als Erfolg der Lobbyarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern oder als «grossen diplomatischen Erfolg des Bundes» (Rudaz und Debarbieux 2014). Da die Schweiz im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit seit den 1960er auf die globalen Berggebiete fokussierte, könnte letzteres auch als Kontinuum der schweizerischen Diplomatie bewertet werden. Ausserhalb der Entwicklungszusammenarbeit ist jedoch erst um die 1990er Jahre eine generelle dafür aber markante Zunahme von Bergthemen in aussenpolitischen Dossiers festzustellen. In der weltweiten Debatte um einen anderen Umgang mit der Natur, die in den 1970er Jahren langsam Fahrt aufnahm, positionierte sich die Schweiz als Vorreiterin einer nachhaltigen Berggebietspolitik – und zwar auf europäischer wie auch globaler Ebene. Wie lassen sich diese «natürlichen» Leitplanken der Politik historisch einordnen und epistemologisch erklären?

Dass die Schweiz seit der Frühen Neuzeit als Alpenland wahrgenommen und inszeniert wird ist hinlänglich bekannt. Darauf aufbauend untersucht das Panel den Niederschlag dieser Verbindung von Natur und Mensch in der schweizerischen Aussenpolitik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dabei gilt es auch nach der Wirkmächtigkeit der vielfältigen Bilder der «Alpen» bzw. der «Berge», die in den fraglichen Diskursen auftauchen, zu suchen: Die Alpen als «Natur-» oder «Kulturlandschaft», «Naturreservat» oder «Entwicklungsgebiet», als vernachlässigbare «Peripherie» oder wichtiger «Ausgleichsraum» zu den urbanen Zentren. Das Panel eröffnet so eine neue Perspektive auf die schweizerische Aussen- und Umweltpolitik sowie diesbezügliche Verflechtungen von Diplomatie und akademischer Expertise.

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