Migration, Mobilität und Reichtum

Migration wird bis heute vielfach mit Armut gleichgesetzt. Ein Grund dafür mag sein, dass Migration bis heute mit „Armut” erklärt wird – sowohl innerhalb wie außerhalb der Wissenschaft. Anders verhält es sich mit dem Begriff der Mobilität, der im Vergleich zum Migrationsbegriff semantisch anders konnotiert ist. Er ist nicht nur alltagssprachlich weniger aufgeladen, er wird zudem häufig für Menschen in Bewegung benutzt, die als vermögend gelten. In dieser unterschiedlichen Verwendung der Begriffe in der Forschung werden soziale Positionen sozusagen in die Sprache übersetzt. Migration und Mobilität spiegeln unterschiedliche soziale Vorstellungen über den Charakter menschlicher Bewegung entsprechend ihrer ökonomischen Ressourcen wider.

Tatsächlich begegnet uns „Reichtum“ aber in Migrationsprozessen in ganz unterschiedlichen Formen und Facetten: in dem mobilen Reichen, in dem auf Reichtum hoffenden oder für reich gehaltenen männlichen Migranten, aber auch – was weniger bekannt ist – im männlichen „Schlepper”, ferner in dem durch die Migration erfolgten Aufeinandertreffen von unterschiedlichen „Reichtumskulturen“ oder in Bereicherungsdiskursen von Gesellschaften, um die Aufnahme von Migranten und Migrantinnen (oder Flüchtlingen) zu legitimieren.

Ausgehend von diesen Beobachtungen will das geplante Panel für die 5. Schweizerischen Geschichtstage in Zürich deshalb historischen Zusammenhängen zwischen Migration, Mobilität und Reichtum nachspüren. Da es sich um einen Gegenstand handelt, der in der Geschichtsforschung bislang noch nicht systematisch untersucht worden ist, wird es in dem Panel zugleich darum gehen, Fragen und Perspektiven für zukünftige Forschungen zu erörtern. Darüber hinaus sollen zwei Forschungsfelder der Geschichtswissenschaft zusammengebracht werden, die bislang getrennt voneinander arbeiten: die Migrationsgeschichte auf der einen und die historische Reichtumsforschung auf der anderen Seite. Entsprechend werden in dem Panel Wissenschaftlerinnen miteinander ins Gespräch gebracht, die Expertise in der Reichtums- und/oder in der Migrationsforschung besitzen. Das gilt sowohl für die beiden Veranstalterinnen wie für die bereits gewonnenen Referentinnen.

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