Daten digital anreichern. Zwischen Archivangebot und Forschungsnachfrage

Heute stehen praktisch immer digitale Daten am Anfang von Forschungsprozessen in den Geschichtswissenschaften: Suchmaschinen, Online-Findmittel oder -Datenbanken sind die ersten Etappen auf dem Weg zu historischen Dokumenten. Und immer öfter steht am Ende der Recherche der schwellenlose Zugang zu Primärquellen.

Dieser digitale Quellenreichtum speist sich aus umfangreichen Ressourcen, die Erinnerungsinstitutionen in die digitale Aufbereitung ihrer historischen Bestände investieren. Sie ergänzen analoge Materialien durch digitale Ausprägungen (Bilder, Texte und Datenstrukturen). Damit vereinfachen sie den Zugang zu ihren Quellen und vermehren die Nutzungsmöglichkeiten für Öffentlichkeit und Forschung.

Die Ökonomie der Forschung, nicht zuletzt auf digitale Auswertungsmöglichkeiten bedacht, wird durch Online-Angebote beeinflusst. Das abgewandelte Bonmot „Quod non est in internet, non est in mundo“ wird zwar nicht gern gehört, entspricht aber in vielen Fällen der Realität. Die Archive steuern durch die Bestimmung von Digitalisierungsprojekten und die Art der Datenaufbereitung (Digitalisat, Volltext, Anreicherung durch Identifikation und Kommentierung) bis zu einem gewissen Grad die Ausrichtung des Forschungsbetriebs. Digitalisierungsstandards für Bildformate oder die Textgenerierung nehmen zentrale Rollen ein bei der Prädestination von Forschungsfragen, ebenso wie Schnittstellen, Zugriffs- und Suchmöglichkeiten. Immer wichtiger werden zudem Vernetzungen mit Normdaten (etwa GND oder VIAF) und geografischen Lokalisierungsdiensten (bspw. topoterm), sowie der Einbezug von Freiwilligen (sog. Crowdsourcing) mit Qualitätskontrollen.

Die Aufbereitung und besonders die Anreicherung von Daten seitens der Archive in ihrer Funktion als Public Data Hosts erfolgt zwar nach wissenschaftlichen Kriterien. Aber die Auswahlkriterien sowie Art und Tiefe der Anreicherung sind auch von rechtlichen, technischen und ökonomischen Aspekten bestimmt. Rückkoppelungen aus der geschichtswissenschaftlichen Forschungspraxis, am besten mit ausformulierten Anforderungen an die verantwortlichen Institutionen, sind daher wichtig.

Die Digitalisierung und der daraus entstehende Datenreichtum werden im Panel aus zwei Perspektiven thematisiert: Erstens aus der Sicht der Archive, die in die digitale Aufbereitung ihrer Bestände für die Nutzungsgewohnheiten des 21. Jahrhunderts investieren. Zweitens aus der Sicht der wissenschaftlichen Forschung, die ein wichtiges Publikum für Archive darstellt und die Bestände in immer neue Kontexte setzt. Das Panel stellt nicht nur den Dialog her, sondern diskutiert, was und wie digitalisiert werden und wie sich Qualität und Quantität zueinander verhalten sollen.

Neben der historischen Forschung werden mit dem Staatsarchiv Zürich und den Archiven der ETH-Bibliothek zwei unterschiedlich positionierte Institutionen zu Wort kommen: Das eine verfügt über die grossen Serien eines staatlichen Archivs, das andere über ausgewählte Bestände zu thematischen Schwerpunkten.

Verantwortung