Der Journalismus und das Geld: Historische und aktuelle Perspektiven auf eine schwierige Beziehung (Panel anlässlich von 50 Jahren Studierendenzeitung etü)

Der Journalismus und das Geld: eine schwierige Beziehung. Journalist*innen sollten den Reichen und Mächtigen eigentlich auf die Finger schauen, die vierte Gewalt im Staat und überhaupt unkorrumpierbar sein. Doch etwas essen müssen sie halt auch. Verlage brauchen Geld von Inseraten und Abonnements, um den Journalismus finanzieren zu können – und in Zeiten von Gratiskultur und Internetwerbung immer öfters auch den einen oder anderen Milliardär, der ihnen helfend zur Hand geht. Aus Idealismus geschieht das selten – Medienmogule, reiche Unternehmerinnen und Politiker wollen etwas für ihr Geld: Einfluss auf den Journalismus und die öffentliche Meinung. Diese schwierige Verquickung von Reichtum und den Instanzen, die ihm etwas entgegenhalten sollen, hat eine Geschichte. War Unabhängigkeit immer das Markenzeichen der Journalist*innen? Ist ihre Nähe zum Geld der Mächtigen ein Schönheitsfehler im System – oder ist dieser angebliche Schönheitsfehler nicht eigentlich konstitutiv für unsere heutige Presselandschaft? Welche Rolle spielte Reichtum früher im Mediensystem, welche spielt er heute und können die heutigen Journalist*innen und Verlage aus ihrer Geschichte lernen?

Diesen Fragen soll dieses transepochale Panel nachgehen, das einen Dialog zwischen Medienhistoriker*innen und Medienjournalist*innen initiieren soll. Es wird anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Elfenbeintürmers (etü) – der studentischen Historiker*Innenzeitung der Universität Zürich – organisiert. Ein Medienjournalist mit einem kritischen Blick auf seine Zunft trifft auf eine Historikerin und einen Historiker, die die Geschichte unserer Presselandschaft erforschen, wobei die eine den Fokus auf das 19./20. Jahrhundert und der andere auf die Frühe Neuzeit legt. Der Fokus liegt dabei auf der Schweiz, jedoch mit Blick auf die Entwicklungen im Ausland und ihre Verflechtungen mit der hiesigen Situation.

Kaspar Surber, Mitglied der Redaktionsleitung der Wochenzeitung WOZ und Historiker, beleuchtet in seinem Vortrag die Rolle von Geld in unserer heutigen Medienlandschaft. Dabei geht es auch um die Frage, inwiefern sich ökonomischer Reichtum und ideologisch-politische Einflussnahme gegenseitig bedingen.

Prof. Dr. Andreas Würgler (Universität Genf) bringt mit seinem Beitrag eine neue Perspektive in die Debatte. Er skizziert die ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen der Presselandschaft der frühen Neuzeit und lenkt so den Blick auf Brüche, Veränderungen und Kontinuitäten.

Der dritte Vortrag soll von einer Historikerin, welche das 19./20. Jahrhundert im Blick hat und über die jüngeren Entwicklungen des Mediensystems forscht, gehalten werden.

Anschliessend an die viertelstündigen Vorträge findet eine moderierte Diskussion (45 min) statt, bei der mit Blick auf die Vergangenheit über das Heute und mit Blick auf das Heute über die Vergangenheit diskutiert wird.

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