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Umweltgeschichte als Beziehungsgeschichte. Historische Konzepte des Zusammenlebens in der Ökosphäre

Die Geschichte der Naturverhältnisse kann nicht einfach als zunehmende Zerstörung biophysischer Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens erzählt werden. Ein Weg, «Zerfallsnarrative» zu differenzieren, besteht darin, Gegenentwürfe, Widerstände und gegenläufige Praktiken zu den instrumentellen Naturverhältnissen aufzuarbeiten. Hier setzt das Panel an und fragt nach historischen Beziehungskonzepten, die das Zusammenleben in der Ökosphäre nicht instrumentell verfassen. Zur Diskussion gestellt wird, ob wir aus den Konzepten und nicht-menschlichen Wahlverwandtschaften historischer Akteur*innen unsere gegenwärtigen Vorstellungen vom Zusammenleben in der Ökosphäre verändern können.

Ausgehend von den Überlegungen des kolumbianischen Anthropologen Arturo Escobar möchten wir Kämpfe für sorgende Beziehungen zur Ökosphäre als «political activation of relationality» begreifen.[1] Das Panel versucht, diese theoretische Perspektive für geschichtswissenschaftliche Ansätze fruchtbar zu machen. Die Hypothese lautet, dass Relationierung als politische Praxis und Kritik zu verstehen ist, durch die Akteur*innen die im Westen vorherrschenden Dichotomien von Natur und Kultur, Mensch und Tier, Moderne und Vormoderne usw. zu hinterfragen und aufzubrechen versuchten.

Im Panel sollen somit Brücken zwischen historischen Arbeiten und anthropologischen Theorien geschlagen werden. Ziel ist nicht nur das Fruchtbarmachen theoretischer Ansätze für die historiografische Praxis, sondern umgekehrt auch die Bereicherung aktueller Theoriedebatten durch stärkere Historisierung. Im Anschluss an die Arbeiten von Jean-Baptiste Fressoz und Christophe Bonneuil soll das Panel im Zuge dessen auch zu einer stärkeren Historisierung von Formen der ökologischen Reflexivität beitragen.[2] Alternative Entwürfe des Zusammenlebens sind nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in der Vergangenheit zu finden, so die zentrale These dieser und anderer Autor*innen. Wie, so wollen wir deshalb fragen, wurde die Endlichkeit von Ressourcen verhandelt und inwiefern gab es alternative Vorstellungen der Ressourcennutzung, jenseits profitorientierter Praktiken? Wie wurden die Zusammenhänge des «Lebensnetzes» (Jason W. Moore [3]) konzeptioniert? Wie bzw. inwiefern wurden Beziehungen zur Ökosphäre gemeinsam mit zwischenmenschlichen Beziehungen (z.B. Gender, Race, Class) gedacht?

Zitierte Literatur:

[1] Escobar, Arturo: Pluriversal Politics: The Real and the Possible, Durham 2020, S. 62.

[2] Bonneuil, Christophe; Fressoz, Jean-Baptiste: L'événement anthropocène. La Terre, l'histoire et nous, Paris 2013.

[3] Moore, Jason: Capitalism in the Web of Life: Ecology and the Accumulation of Capital, London 2015.

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