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Das Naturrecht als Grundlage für die direkte Demokratie

Jean-Jacques Burlamaqui und die Westschweizer Naturrechtsschule (École romande du droit naturel)

Seit bald zehn Jahren erforsche ich mit meinem Institut die direkte Demokratie in der Schweiz (siehe www.fidd.ch). Jedes Jahr organisiere ich eine wissenschaftliche Konferenz. Widmeten sich die ersten drei Konferenzen der Bedeutung von politischen Bewegungen für die Entwicklung der Demokratie (katholischer Konservatismus, Liberalismus und Frühsozialismus), standen die zwei folgenden Konferenzen im Lichte der theoretischen Grundlagen der direkten Demokratie, sprich des Naturrechts und des Genossenschaftsprinzips. Der wichtigen theoretischen Grundlage des Naturrechts war meine vierte Konferenz in Neuchâtel gewidmet. Im letzten Jahr publizierte ich dazu meinen vierten Tagungsband (siehe auch www.fidd.ch).

Das Thema «Natur» und deren Dimensionen sollte auf den philosophischen Begriff des «Naturrechts» ausgedehnt werden. Im von den Verantwortlichen für die Schweizerischen Geschichtstage erwähnten Reflexionscluster «Mensch und Natur» geht es auch um die «menschliche Natur»; diese anthropologische Dimension ist für das Naturrecht schlichtweg zentral.

Zum Thema

Schweizer Philosophen hatten bedeutenden Anteil an der europäischen Aufklärung und der Entwicklung des modernen Naturrechts im 17. und 18. Jahrhundert. Wichtig war dabei speziell die Westschweizer Naturrechtsschule (École romande du droit naturel). Sie spielte eine zentrale Rolle in der abendländischen Geistesgeschichte bei der Verbreitung des modernen Naturrechts. Das moderne Naturrecht mit seinen Forderungen nach Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit legte in der Schweiz ein wichtiges Fundament für Debatten rund um die Postulate nach mehr politischer Partizipation und Demokratisierung.

Der erste Vertreter dieser «École romande» war Jean Barbeyrac (1674–1744). Er hielt von 1711 bis 1717 Vorlesungen an der Akademie in Lausanne, trat mit französischen Übersetzungen von Pufendorf und Grotius hervor und sorgte für deren Rezeption in Europa und in der angelsächsischen Welt. Barbeyrac gab 1706 eine kommentierte französische Übersetzung von Samuel Pufendorfs Hauptwerk heraus, die dann einige Jahre später Grundlage für die deutsche Übersetzung war. Sein wichtigster Schüler war Jean-Jacques Burlamaqui (1694–1748), der von 1723 bis 1739 Vorlesungen an der Akademie in Genf hielt. Burlamaquis Werke fan-den im französischen und englischen Sprachraum grösste Beachtung und beeinflussten auch nachweislich die Gründungsväter der Vereinigten Staaten. Im deutschen Sprachraum wurde er hingegen praktisch ignoriert.

Es wäre spannend, den Begriff des Naturrechts und seine Bedeutung für eine Demokratisierung sowie die Person Burlamaquis und die Westschweizer Naturrechtsschule im Rahmen der nächsten Geschichtstage in Genf zu thematisieren.

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