Postkoloniale Schweiz im Geschichtsunterricht am Gymnasium

mercredi, 5. juin
14:30 jusqu'à 16:00 heures

Schweizer Geschichte ist auch globale Geschichte und ihre Teilnehmer*innen sind auf allen Kontinenten zu finden. Wie sinnvoll es ist, postkoloniale Ansätze auch auf den Schweizer Nationalstaat anzuwenden, obwohl dieser nie eigene Kolonien besessen hat, haben zahlreiche Untersuchungen der letzten zwanzig Jahre gezeigt. In diesen Arbeiten wurde die Schweiz als Teil einer global vernetzten Welt wahrgenommen, indem die schweizerische Gesellschaft, Politik, Kultur und Wirtschaft in einen globalgeschichtlichen Zusammenhang gestellt wurden. Sei es, dass die Beteiligung von Schweizer Akteuren am transatlantischen Sklaven- und Kolonialhandel untersucht wurde, oder dass die Verflechtungen von Schweizer Unternehmen mit neokolonialen globalen Wirtschaftsstrukturen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts analysiert wurden. Zentral in all diesen Arbeiten ist das Thema der Tagung «Reichtum». Ein weiterer Fokus liegt auf dem kulturelle Bereich. Dazu gehören Untersuchungen, die sich mit der noch andauernden Wirkungskraft kolonialer Denkmuster und Kategorien im Alltag wie auch in den Wissensstrukturen auseinandersetzten. Zentral für die kulturelle Analyse ist die Konstruktion des «Andern». «Für die Konstitution europäischer Subjektivitäten und nationaler Identitäten, so zeigen die postcolonial studies, spielen die Abgrenzung vom kolonialen «Anderen», aber auch seine Vereinnahmung und Instrumentalisierung eine grundlegende Rolle.» (Patricia Purtschert) Von dieser Thematik lässt sich ein Bogen zur Schweizer Geschichte seit dem 19. Jahrhundert schlagen. Einerseits spielte diese Abgrenzung vom «Anderen» auch in der Ausbildung einer schweizerischen Identität im modernen Nationalstaat eine wichtige Rolle. In diesem Fall bezog sich die Abgrenzung allerdings auf «interne Andere», die Alpenbewohner einer primitiven Welt. Dieses Konzept entstand im Zusammenhang mit der Ausbildung des kolonialen «Anderen». (Bernhard C. Schär) Andererseits spielt die Wahrnehmung «der Anderen» auch in der aktuellen Migrationsdebatte oder in der Diskussion über die aktuelle nationale Identität oder «Leitkultur» eine wichtige Rolle.

Gezeigt hat sich immer wieder, dass Zweifel an einer eurozentristischen Perspektive angebracht sind und dass man die Vorstellung klar abgegrenzter Nationen hinter sich lassen kann um den Blick für grenzüberschreitenden Austauschprozesse zu öffnen.

In unserem Panel zur postkolonialen Schweiz soll es darum gehen, anhand möglichst aktueller Beispiele die Anwendung postkolonialer Ansätze im Geschichtsunterricht zu beleuchten. Nebst kurzen Inputs soll die gemeinsame Diskussion von allen Panelteilnehmer*innen im Zentrum stehen. Dabei soll es um die Fragen gehen, wie im Geschichtsunterricht die historische globale Vernetzung der Schweiz und der Schweizer*innen klarer aufgezeigt werden kann, und wie die mehrheitlich internationalen Familiengeschichten unserer Schüler*innen stärker reflektiert werden könnten.

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