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Gezähmte Natur? Tiere und Geschlecht vom 17. bis 19. Jahrhundert

Wie neuere Forschungen im Bereich der Historical Animal Studies aufgezeigt haben, waren die mannigfaltigen Beziehungen zu Tieren stets ein konstitutives Element menschlicher Sozialität. Vormoderne Agrargesellschaften sind ohne die Kopräsenz von Kühen, Schafen oder Schweinen ebenso undenkbar wie noch um 1900 der Transport, die Kriegsführung oder die soziale Distinktion von Eliten ohne Pferde. Mensch-Tier-Beziehungen wurden zudem immer wieder mit Vorstellungen von sozialer Abgrenzung zwischen den Menschen selbst in Analogie gesetzt und wirkten auf die Konstruktion von Kategorien wie «race» oder «class» zurück.

Auch Geschlechtlichkeit wurde mit und über Tiere hergestellt. Schosshunde dienten etwa als lebende Symbole weiblicher Treue, als Teil weiblichen Luxuskonsums oder als Konkurrenten für den männlichen Liebhaber. Derweil spiegelten sich verschiedene Typen der Männlichkeit in unterschiedlichen Reitstilen vom militärischen Geländeritt zur galanten Reitkunst. Die Jagd war zwar im höfischen Kontext keineswegs eine männliche Domäne, verschiedene Jagdformen wurden aber gleichwohl mit unterschiedlichen Geschlechtermodellen assoziiert. Geschlechtliche Markierungen im Diskurs befruchteten schliesslich die Differenzierung und Bewertung bestimmter Tierarten, etwa wenn wilde Tiere oder Raubtiere mit männlich markierter Gewalt in Verbindung gebracht wurden oder Haustiere zum Teil einer weiblich markierten häuslichen Sphäre in der bürgerlichen Gesellschaft wurden. In Bezug auf den Umgang mit Tieren warfen Autor:innen von der Naturphilosophie der Aufklärung bis zu den modernen Tierschutzbewegungen auch immer wieder die Frage auf, ob Menschen unterschiedlichen Geschlechts aufgrund ihrer Natur oder ihrer gesellschaftlichen Rolle einen anderen Zugang zu Tieren besässen. Schliesslich wurden und werden Tiere je nach Geschlecht unterschiedlich behandelt, von der Fokussierung auf (männliche) Hirsche und (weibliche) Falken in der vormodernen Jagdpraxis oder auf geschlechtsspezifische Merkmale bei der Auswahl von Zuchttieren bis zur systematischen Tötung «überzähliger» männlicher Jungtiere in der modernen Geflügelzucht oder in Zoos.

Das Panel schlägt eine methodologische Brücke zwischen Tiergeschichte und Geschlechtergeschichte, indem es anhand von Fallstudien aus dem 17. bis frühen 19. Jahrhundert unterschiedliche Konfigurationen von Spezies und Geschlecht beleuchtet. Dabei werden geschlechtliche Markierungen sowohl in Bezug auf die involvierten Tiere und Menschen wie auch in Bezug auf ihre Interaktionen untersucht. Ein besonderes Augenmerk liegt zum einen auf der Frage, in welchem Verhältnis dabei Vorstellungen einer «inneren Natur» zu Praktiken des Züchtens, Zähmens oder Erziehens standen. Zudem diskutiert das Panel die Hypothese, dass die ab dem 18. Jahrhundert feststellbare Anthropologisierung von Geschlechtervorstellungen in enger Wechselwirkung mit einem veränderten Blick auf nichtmenschliche Lebewesen stand.

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