Das Naturrecht als Grundlage für die direkte Demokratie – Jean-Jacques Burlamaqui und die Westschweizer Naturrechtsschule (École romande du droit naturel)

Schweizer Philosophen hatten bedeutenden Anteil an der europäischen Aufklärung und der Entwicklung des modernen Naturrechts im 17. und 18. Jahrhundert. Wichtig war dabei speziell die Westschweizer Naturrechtsschule (École romande du droit naturel). Sie spielte eine zentrale Rolle in der abendländischen Geistesgeschichte bei der Verbreitung des modernen Naturrechts. Das moderne Naturrecht mit seinen Forderungen nach Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit legte in der Schweiz ein wichtiges Fundament für Debatten rund um die Postulate nach mehr politischer Partizipation und Demokratisierung.

Der erste Vertreter dieser «École romande» war Jean Barbeyrac (1674–1744). Er hielt von 1711 bis 1717 Vorlesungen an der Akademie in Lausanne, trat mit französischen Übersetzungen von Pufendorf und Grotius hervor und sorgte für deren Rezeption in Europa und in der angelsächsischen Welt. Barbeyrac gab 1706 eine kommentierte französische Übersetzung von Samuel Pufendorfs Hauptwerk heraus, die dann einige Jahre später Grundlage für die deutsche Übersetzung war. Sein wichtigster Schüler war Jean-Jacques Burlamaqui (1694–1748), der von 1723 bis 1739 Vorlesungen an der Akademie in Genf hielt. Burlamaquis Werke fanden im französischen und englischen Sprachraum grösste Beachtung und beeinflussten auch nachweislich die Gründungsväter der Vereinigten Staaten. Im deutschen Sprachraum wurde er hingegen praktisch ignoriert.

Der Vortrag will die naturrechtlichen Wurzeln der schweizerischen Demokratieentwicklung deutlich machen und in diesem Zusammenhang die Westschweizer Naturrechtsschule in ihrer Bedeutung würdigen.

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