Die Schöne und das Biest. Die Zivilisierung des Tieres als weibliche Aufgabe in der französischen Aufklärung

In ökofeministischen Theorien werden patriarchale Machtverhältnisse oft zusammengedacht mit dem Herrschaftsverhältnis zwischen Mensch und Natur. Frauen werden dabei häufig mit Natur und damit auch mit einer Nähe zu Tieren in Verbindung gebracht. Gerade in der Zeit der Aufklärung lässt sich aber auch eine Animalisierung des Männlichen beobachten, dem eine weibliche Menschlichkeit entgegengesetzt wurde. Um auf solche komplexen historischen Zusammenhänge zwischen Geschlecht und Tierlichkeit und damit auch auf die Ambivalenz gegenwärtiger Frau-Tier-Vergleiche, sowie auf alternative Positionen von Frauen in der Vergangenheit aufmerksam zu machen, eignet sich ein Blick in Erziehungsschriften des 18. Jahrhunderts, die häufig von Frauen verfasst wurden. So lassen sich im «Magasin des enfants» (1756) von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont zahlreiche Erzählungen von Tierverwandlungen entdecken, bei denen insbesondere Männer beweisen mussten, dass sie sich über ihre tierischen Instinkte hinaus zu guten Menschen entwickeln konnten. Eine wichtige Rolle kam dabei den weiblichen Protagonistinnen zu, die lernen mussten, auf die menschliche Seele im Inneren ihres scheinbar tierischen Gegenübers einzugehen. Solche Erzählungen lassen sich einerseits im Rahmen einer von Frauen für Frauen geschriebenen Erziehungsliteratur begreifen, die den zukünftigen Ehefrauen die Kompetenz zur Humanisierung ihrer Männer vermitteln möchte. Andererseits lassen sie sich auch im zeitgenössischen Zivilisationsdiskurs verorten, demzufolge das ursprünglich Wilde und Tierische im Menschen dadurch gezähmt wurde, dass er sesshaft wurde und Familien gründete. Auch in diesem Prozess spielten Frauen eine zentrale Rolle beim zivilisatorischen Übergang zwischen Tier und Mensch.

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