Erwerbsarbeit «entnaturalisieren»

Die Transformationsforschung befasst sich mit den ökologischen und sozialen Herausforderungen der Klimawende. Bisher lag der Schwerpunkt dieser Forschung auf den Natur-, Technik- und Sozialwissenschaften. Doch gerade die Geschichtswissenschaft eignet sich bestens dafür, Situationen der Veränderungen zu untersuchen: Ihr Kerngeschäft ist es, die Welt im Wandel – beziehungsweise die Beharrungskraft des Überlieferten – zu analysieren. Die Menschen sind äusserst geübt darin, sich dem Gegebenen zu fügen; der Status quo verfügt meist über eine unglaubliche Beharrungskraft. Zugleich sind Veränderungen – paradox formuliert – eine Konstante der Geschichte. Diesen Spannungsverhältnissen gilt es nachzugehen. Wie etablieren sich andere Formen und Normen der Lebensgestaltung? Welche Rolle spielen dabei soziale Bewegungen, politische Entscheidungen, rechtliche Rahmenbedingungen oder infrastrukturelle Eigendynamiken? Anhand verschiedener Konstellationen und an unterschiedlichen Thematiken zu untersuchen, wie Konsensverschiebungen in Geschichte und Gegenwart zustande kamen, ist gerade in Hinblick auf die anstehende Klimawende ein dringliches Unterfangen. Bestimmte historische Narrative wie etwa jene der «Trente glorieuse» werden dabei dekonstruiert, andere wie jenes von «Slow Hope» (Christof Mauch) werden erschaffen.

Der Wirtschafsboom der Nachkriegszeit ging im «Globalen Norden» mit einem massiven Verbrauch von Umweltressourcen einher. Der dabei gewonnene Wohlstand wurde vor allem zur Schaffung neuer Konsummöglichkeiten eingesetzt. Eine gesamtgesellschaftliche Reduktion der Erwerbsarbeitszeit – mehr Zeitwohlstand, weniger Konsum – wurde kaum realisiert. Welche Rolle spielte «Emanzipation» bei dieser «Erwerbsarbeit-Zentrierung» und was hat dies mit der so genannten «Gastarbeit» zu tun? In meinem Beitrag gehe ich dieser Frage nach und entwerfe dabei eine Forschungsperspektive für eine «Entnaturalisierung» der Erwerbsarbeit».

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